Christian Roseck · Über Theater

Theater bedeutet
für mich Wahrheit.

Christian Roseck mit einem leichten Lächeln, im dunklen Sakko vor herbstlichem Hintergrund
Foto: Heike Herden

Gerade weil es die Wirklichkeit stilisiert, überhöht und ausstellt. In der Übertreibung, im Absurden, Komischen und Dramatischen zeigt sich oft genauer, wie Menschen und Verhältnisse beschaffen sind.

Bildungswissenschaftler · Notfallsanitäter · Kultur- und Theaterpädagoge
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Drei Felder. Eine Haltung.

Ich möchte Menschen nicht nach einem festen Bild formen, sondern Bedingungen schaffen, unter denen sie sich selbst bilden, entwickeln, erproben und reflektieren können. Was das konkret bedeutet, unterscheidet sich je nach Handlungsfeld.

01

Bildungswissenschaft

Verstehen und prüfen

Ich möchte pädagogisches Handeln nicht nur gut meinen, sondern verstehen und prüfen. Mich interessiert, welche Bedingungen Entwicklung und Teilhabe ermöglichen, welche Machtverhältnisse in Bildungsräumen wirken und wann gesellschaftlich bedingte Unterschiede vorschnell dem Einzelnen zugeschrieben werden. Theorie, empirische Befunde und Gesellschaftskritik helfen mir dabei, genauer hinzusehen.

02

Rettungsdienst

Sicher handeln, selbst denken

Im Rettungsdienst müssen Wissen und Können auch unter Zeitdruck tragen. Standards und Algorithmen geben dabei Sicherheit und Orientierung – sie sollen eigenes Denken aber nicht ersetzen. Mir ist wichtig, dass Lernende verstehen, warum sie etwas tun, Entscheidungen begründen können und auch in schwierigen Situationen handlungsfähig bleiben. Übungen sind für mich ein geschützter Raum, in dem Fehler passieren dürfen, damit aus ihnen gelernt werden kann.

03

Theater

Erfahren und gestalten

Theater ist für mich kein pädagogisches Lockmittel. Es ist ein Raum zum Ausprobieren, Wahrnehmen und Gestalten. Menschen können andere Perspektiven einnehmen, mit Uneindeutigkeit umgehen und gemeinsam etwas entwickeln, das vorher noch nicht feststand. Ich kann dafür Impulse und einen verlässlichen Rahmen geben – was daraus entsteht, lässt sich aber nicht vollständig planen.

Was die drei Perspektiven verbindet

Bildungswissenschaft lässt mich genauer hinsehen und hinterfragen. Der Rettungsdienst lehrt mich, Verantwortung zu übernehmen und auch unter Druck handlungsfähig zu bleiben. Theater zeigt mir, wie viel entstehen kann, wenn Menschen ausprobieren und gestalten dürfen. Für meine Pädagogik gehört all das zusammen: Orientierung geben. Erfahrungen ermöglichen. Eigenes Denken fördern. Verantwortung zutrauen.

Unterrichtsschwerpunkte

Ausbildung von Notfallsanitäter:innen

Die rettungsdienstliche Aus-, Fort- und Weiterbildung bildet den Schwerpunkt meiner beruflichen Tätigkeit. In der Berufsausbildung von Notfallsanitäter:innen decke ich insbesondere die folgenden Themen ab. Die Kennziffern entsprechen dem Stoffverteilungsplan NRW auf Grundlage des Curriculums.

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Kommunikation und Interaktion

Kommunikation als Grundlage professionellen Handelns – von Gesprächsführung und sozialer Wahrnehmung bis zur Interaktion mit Patient:innen, Angehörigen und besonderen Personengruppen.

  • 4.3Kommunikation und Interaktion
  • 6.1Kommunikation im Rettungsdienst

Psychologie, Pädagogik und Lernen

Menschenbilder, Persönlichkeit und Entwicklung über die Lebensspanne ebenso wie Normen, Werte, Sozialisation, Rollen und die Begleitung von Lernenden in der Praxis.

  • 4.2Psychologische, soziologische und pädagogische Grundlagen
  • 10.5Begleitung von Praktikanten und Auszubildenden

Ethik, Sterben und berufliche Identität

Ethisches Handeln im Rettungsdienst, Sterben und Tod, Hirntod und Organspende sowie die historische Entwicklung des Rettungsdienstes und der Berufsausbildung.

  • 7.7Berufliche Ethik
  • 6.4Sterben und Tod im Rettungsdienst
  • 10.1Beruf und Berufung von Notfallsanitätern
  • 1.5Organisation von Gefahrenabwehr und Rettungsdienst in Deutschland

Diagnostik und Reanimation

Strukturierte Patientenuntersuchung mit SSS, General Impression, ABCDE, SAMPLER und OPQRST sowie Reanimation einschließlich der reversiblen Ursachen 4 Hs und HITS.

  • 5.1Diagnostik
  • 2.8Reanimation

Ich plane klar. Und halte die Planung für korrigierbar.

01

Erst das Ziel, dann die Methode

Ich beginne nicht mit der Frage, welche Methode interessant sein könnte, sondern damit, was Lernende am Ende verstanden haben und können sollen. Methoden wähle ich danach aus, ob sie dabei helfen. Wichtig ist mir, dass Wissen nicht nur für eine Prüfung sitzt, sondern verstanden, angewendet und auf neue Situationen übertragen werden kann.

02

Klarer Rahmen, offener Weg

Lernende sollen wissen, worum es geht, was von ihnen erwartet wird und woran gute Arbeit erkennbar ist. Innerhalb dieses Rahmens möchte ich möglichst viel Raum für eigene Wege lassen. Ich strukturiere dort, wo Struktur hilft – und öffne dort, wo Eigenständigkeit möglich ist.

03

Auf das Wesentliche konzentrieren

Nicht alles, was fachlich interessant ist, muss auch gelehrt werden. Ich konzentriere mich auf das, was für das Verständnis und das Lernziel wirklich wichtig ist. Dabei möchte ich Dinge verständlich machen, ohne sie einfacher erscheinen zu lassen, als sie sind. Widersprüche, Unsicherheiten und fachliche Grenzen dürfen sichtbar bleiben.

04

Hinschauen und nachsteuern

Eine gute Planung ist für mich kein Drehbuch, das um jeden Preis abgearbeitet werden muss. Entscheidend ist, was bei den Lernenden tatsächlich ankommt: Was haben sie verstanden? Was können sie anwenden? Wo entstehen Schwierigkeiten oder unerwartete Fragen? Wenn meine Planung an einer Stelle nicht trägt, passe ich sie an. Das ist für mich kein Scheitern der Planung, sondern Teil guten Unterrichts.

Mein beruflicher und künstlerischer Werdegang

Seit 2003 bin ich im Rettungsdienst tätig, seit 2011 in dessen Aus-, Fort- und Weiterbildung. Hinzu kommen ein Studium der Bildungswissenschaft mit theaterpädagogischem Schwerpunkt, wissenschaftliche Projektarbeit sowie langjährige Erfahrungen auf der Bühne und vor der Kamera.

Illustration von Christian Roseck auf einer Theaterbühne
Quelle: KI-generiertes Bild
2003–2023

Einsatzdienst und klinische Praxis

Meine berufliche Praxis im Rettungsdienst begann 2003. Nach meiner Ausbildung zum Rettungsassistenten arbeitete ich mehrere Jahre im Einsatzdienst; 2016 qualifizierte ich mich zum Notfallsanitäter weiter. Von 2004 bis 2012 engagierte ich mich zudem ehrenamtlich im Sanitätsdienst und Katastrophenschutz.

Im Hausnotruf unterstützte ich Menschen in unterschiedlichen Not- und Bedarfslagen. Die Arbeit in einer interdisziplinären Notaufnahme erweiterte meinen Blick auf klinische Abläufe und die Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen. Dadurch kenne ich Notfallversorgung von der häuslichen Situation über den Rettungsdienst bis zur Behandlung im Krankenhaus.

Seit 2011

Lehre und Bildungsarbeit im Rettungsdienst

Seit 2011 bin ich als Dozent, Lehrrettungsassistent, Kursleiter und Lehrkraft in der Aus-, Fort- und Weiterbildung im Rettungsdienst tätig. Besonders wichtig sind mir Ethik und Kommunikation: Lernende sollen Fachwissen sicher anwenden, Menschen aufmerksam begegnen und ihr Handeln nachvollziehbar begründen können.

2024 wurde ich als Praxisanleiter im Rettungsdienst anerkannt. Derzeit unterrichte ich an der Johanniter-Akademie NRW angehende Rettungssanitäter:innen und Notfallsanitäter:innen.

2017–2024

Studium der Bildungswissenschaft

Mein Studium der Bildungswissenschaft an der FernUniversität in Hagen schloss ich mit dem Bachelor of Arts ab. Im Mittelpunkt meines Profilstudiums standen Theater- und Kulturpädagogik.

In meiner Bachelorarbeit „Theater als Orte kultureller Bildung“ untersuchte ich die Spielzeitprogramme von 23 deutschen Staatstheatern auf kulturelle Bildungsangebote für Erwachsene. Dabei zeigte sich, dass viele Formate auf Austausch, Teilhabe und eigenes Gestalten ausgerichtet sind, auch wenn die Theater sie nur selten ausdrücklich als kulturelle Bildung bezeichnen.

2024–2025

Wissenschaftliche Projektarbeit

In zwei Projekten am Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin des DLR unterstützte ich humanphysiologische Forschung. In einer Laborstudie zur Lärmwirkung bereitete ich elektrophysiologische Schlafmessungen vor, überwachte Messinstrumente und Signalqualität und betreute die Teilnehmenden während der Nacht. In einer von der NASA beauftragten Bettruhestudie zu den Auswirkungen simulierter Schwerelosigkeit betreute ich die Teilnehmenden während ihres stationären Aufenthalts, maß und dokumentierte Vitalparameter und arbeitete nach Good Clinical Practice sowie weiteren verbindlichen Studienstandards.

Künstlerische Linie

Theater reflektieren.
Theater machen.

Mich reizt am eigenen Spiel nicht eine bestimmte Rollenart, sondern die Spannweite: vom Komischen bis zum Bedrohlichen, vom Rettungsassistenten über den Borka-Räuber bis zum russischen Oligarchen. Theaterpädagogische und bildungswissenschaftliche Reflexion helfen mir, diese Erfahrungen einzuordnen und weiterzudenken. Sie ersetzen aber nicht das eigene Spiel.

Vor der Kamera

Seit 1999 wirke ich als Kleindarsteller und Komparse in Film- und Fernsehproduktionen mit. Mehrfach spielte ich dabei Figuren aus dem Rettungsdienst – unter anderem in „Tatort“, „Die Familienanwältin“, „SOKO Köln“, „Ein Schnitzel für drei“ und „Ein Fall für Fingerhut“. Weitere Produktionen waren beispielsweise „Zwölf Winter“ und „Der kleine Mönch“.

Auf der Bühne

Meine ersten Bühnenerfahrungen sammelte ich 1996 in einer Theater-AG an meiner Schule. Zwischen 2015 und 2017 übernahm ich Solopartien in Kindermusicals. Von 2018 bis 2022 wirkte ich regelmäßig als Kleindarsteller am Stadttheater Magdeburg mit, unter anderem in „Salome“, „Chicago“, „Ronja Räubertochter“, „Rigoletto“ und „Peter Grimes“.

Seit 2025 setze ich meine Bühnenarbeit in Köln mit gemeinsam entwickelten Produktionen fort. In der Musiktheaterperformance „Maria Everywhere“ der Oper Köln spielte ich den einsamen Witwer Walter König. In der Ensembleproduktion „Refugium“ am BOX Theater spielte ich 2026 den geheimnisvollen Postboten Paul.

Theater sehen.
Weiterdenken.

Hier schreibe ich über Inszenierungen, die ich als Zuschauer gesehen habe. Meine Kritiken sind persönliche Auseinandersetzungen mit dem Theaterabend – beeinflusst von meiner Liebe zur darstellenden Kunst, meiner theaterpädagogischen und bildungswissenschaftlichen Perspektive.