Max Lurch, der Dritte – Orientierung unter Vorbehalt
Klaus W. von Wursti
Ein pädagogisch schwer erträgliches Bilderbuch

Es gibt Bilderbücher, die Kindern helfen, sich in der Welt zurechtzufinden. Max Lurch, der Dritte prüft zunächst, ob die Welt für diesen Zweck ausreichend vorhanden ist. Der pädagogische Anspruch wird bereits auf dem Umschlag als schwer erträglich ausgewiesen. Diese Transparenz ist zu begrüßen.
Max begegnet einer Klang- und Performancekünstlerin, einem ungewöhnlich untergebrachten Sänger und weiteren Personen, deren Verhältnis zu ihrer Umgebung noch nicht abschließend geklärt ist. Die warmen Illustrationen geben diesen Begegnungen einen vertrauten Rahmen. Man weiß häufig, wo man sich befindet. Was dort stattfindet, bleibt davon zunächst unberührt.
Besonders überzeugt die Begegnung mit einem Sofa, das unter der Erwartung leidet, benutzt zu werden. Max setzt sich nicht. Er erkennt damit, dass die Verfügbarkeit einer Sitzfläche noch keine hinreichende Begründung für ihre Inanspruchnahme darstellt. Das Sofa darf bleiben, ohne sich nützlich machen zu müssen. Darin liegt ein ernst zu nehmender Gedanke über den Umgang mit anderen. Seine Übertragbarkeit auf weitere Polstermöbel erscheint plausibel.

Die beigefügten Elternhinweise sichern die fachliche Begleitung. Ein pädagogischer Beobachtungsbogen ermöglicht anschließend die systematische Erfassung des Lektüreverlaufs. Dass ausschließlich Nichtzutreffendes angekreuzt werden soll, schützt vor vorschneller Bestätigung. Die Möglichkeit mehrfacher Angaben trägt der Komplexität des Gegenstands Rechnung.
Ein Vorbehalt betrifft die zeitliche Verwendbarkeit: Das Formblatt ist bis gestern gültig. Für eine heutige Lektüre hätte ich mir einen Hinweis gewünscht, ob rückwirkend beobachtet werden soll oder zunächst ein geeigneteres Heute abzuwarten ist. Diese Unklarheit mindert den literarischen Wert kaum, erschwert jedoch die Ablage.
Ich empfehle Max Lurch, der Dritte allen, die Bilderbücher, sprachliche Genauigkeit und sorgfältig begleitete Ungewissheit schätzen. Für die gemeinsame Lektüre erscheint eine erwachsene Bezugsperson sinnvoll, die auch einem Sofa eine eigene Position zugesteht.
Die Empfehlung gilt für das vorliegende Buch. Eine abschließende Auswertung ist damit nicht verbunden.
Hinweis zur Transparenz: Hinter dem Autorennamen Klaus W. von Wursti steht der Verfasser dieser Besprechung. Dieser Umstand wurde berücksichtigt. Eine unabhängige Prüfung durch das Sofa steht noch aus.
Ergänzendes Bildmaterial


